Liebe Freunde Wumbabas, mit dem im März 2009 erschienen Band Wumbabas Vermächtnis ist die Wumbaba-Trilogie vollendet. Es gibt nun für mich im Leben noch anderes zu tun; ich muss zum Arzt und möchte auch mal wieder tagsüber in die Stadt gehen können, um Hemden zu kaufen. Aber der Strom von Post reißt nicht ab. Sänger singen weiterhin zu undeutlich. Liedtexte sind miserabel und müssen durch Um- und Andershören verbessert werden. Menschen hören immer noch schlecht und berichten mir darüber. Daraus soll kein Buch mehr werden, denn eine Trilogie mit vier Büchern… – das wäre irgendwie überfüllt, oder? Aber wozu habe ich schließlich vor einigen Jahren das Internet erfunden? Hier werde ich, wenn es meine knappe Zeit zulässt, immer wieder über die schönsten und interessantesten Verhör-Erlebnisse der Menschen berichten, die mir geschrieben haben und noch schreiben werden. Mit einem herzlichen „Auf Wiederhören!“
Von Kenny Rogers gibt es einen Song namens Lucille, in dem er von einer Frau singt, die er in einer Bar in Toledo kennen und lieben lernt, als plötzlich deren Mann neben ihnen steht und der Frau Vorhaltungen macht: warum sie ihn mit vier hungrigen Kindern alleine lasse, aus gerechnet jetzt, da die Ernte anstehe:
„You picked a fine time to leave me, Lucille,
With four hungry children and a crop in the field.
I’ve had some bad times,
I’ve lived through some sad times,
But this time the hurtin’ won’t heal.“
Leserin W. schreibt dazu, sie habe die zweite Zeile immer verstanden als:
„With four hundred children and a cop in the field.“
Vierhundert Kinder! Kein Wunder sei es da, schreibt W., dass schon die Polizei im Anmarsch sei. Und dann haut auch noch die Frau ab.
Nun gibt es diese Seite schon ein Jahr lang, gerade ist der 20 000. Besucher hier gewesen, Zeit sie ein bisschen neu zu gestalten.
Zum Jubiläum eine sehr schöne Geschichte, die Leser B. aus Gera schickte und der er erläuternd voranschickt, dass es in der DDR eine sehr erfolgreiche Fernseh-Kochshow namens Der Tip des Fischkochs gab, in der ein Fernsehkoch namens Rudolf Kroboth aus Fangergebnissen der volkseigenen Fischfangflotte ein schmackhaftes Gericht herstellte.
B. berichtet nun, wie eines Tages der Leiter einer kleinen Dorfschule einen Anruf der SED-Kreisleitung erhielt, in dem angeordnet wurde, dass sich am nächsten Tag Lehrer und Schüler an der Dorfstraße einzufinden hätten, um mit Fähnchen den in einer Autokolonne durchfahrenden Fischkoch zu begrüßen.
Ein wenig wunderte sich der Schulmann: So ein Personenkult nun auch schon für einen Fernsehkoch!? Den Fischkoch?
Aber er tat natürlich wie ihm geheißen. Auch brauste wirklich einen Kolonne vorbei, alle winkten dem Fischkoch zu – und am gleichen Tag meldete sich die SED-Kreisleitung wieder am Telefon: Besten Dank, dass man den auf Staatsbesuch in der DDR weilenden Ersten Sekretär der Kommunistischen Partei Bulgariens so vorbildlich begrüßt habe!
Der hieß freilich nicht Fischkoch.
Sondern Shivkov. (Todor mit Vornamen.)
Aber er war nicht ganz so populär wie der Fischkoch.
Ergänzend dazu die sehr schöne Geschichte der Leserin R. an meinen Wortstoffhof, deren Weg ins Büro in Zeiten, als es die DDR noch gab, an einem der wenigen privaten Tante-Emma-Läden vorbei führte. Sie schreibt: „Eine ältere Dame führte selbstbewusst und trotzig mitten im sozialistischen Alltag ihr Geschäft so erfolgreich wie nur möglich. Ihre Waren, vorwiegend Lebensmittel, pries sie mit energischer Handschrift in Kreide auf schwarzen Tafeln an, vorwiegend Sauerkraut, saure Gurken, frisches Weißkraut usw.“ Eines Tages habe auf einer dieser Tafeln gestanden: „Fisch in Dosen aller Art“.
R. schreibt, sie wisse nicht, ob nun „Fisch aller Art in Dosen“ gemeint gewesen sei, oder „es nicht doch eine ganz gewitzte Anspielung auf die damals allzeit gegenwärtige Makrele (auch DDR-Volksfisch genannt) war, denn nur die und immer wieder die, gab es nicht nur in Dosen, sondern auch in Soßen aller Art! Die damals allmächtigen Sicherheitsleute haben es bestimmt so nicht gelesen und verstanden.“
Das Schild als subversives Mittel des Widerstands. O, Deutschland, liebes Schilderland – ist das nicht wunderbar!?